Geburtsphasen

Der normale Geburtsverlauf teilt sich in 3 Phasen ein:

Überblick


vom Beginn regelmäßiger Wehentätigkeit bis zur vollständigen Muttermundseröffnung

Bei ca. 2/3 aller Geburten springt die Fruchtblase am Ende der EP (rechtzeitiger Blasensprung). Abweichend hiervon unterscheidet man:

  • vorzeitiger Blasensprung: Fruchtblase springt vor Beginn der EP 
  • Frühzeitiger Blasensprung: Fruchtblase springt während der EP 
  • Hoher Blasensprung: Fruchtblase springt oberhalb des Muttermundbereiches, eine Vorblase bleibt erhalten 
  • Zweizeitiger Blasensprung: Sprung der Vorblase nach hohem Blasensprung 

vom Zeitpunkt der vollständigen Muttermundseröffnung bis zur Geburt des Kindes. Aus vorderer Hinterhauptslage verläuft der Geburtsvorgang in folgenden Abschnitten:

Beckeneingang

Der Kopf tritt im hohen Geradstand in den querovaler Beckeneingang ein:

  • Pfeilnaht ist quer zu tasten
  • kleine und große Fontanelle sind auf gleicher Höhe tastbar (indifferente Haltung, d.h. der Kopf ist noch nicht gebeugt)
  • kleine Fontanelle rechts (II. Stellung) bzw, links (I. Stellung) zu tasten

Beckenmitte

Der Kopf tritt durch die runde Beckenhöhle. Während des Tiefertretens geht der Kopf in eine Beugehaltung über und der Rücken dreht sich nach vorn:

  •  Pfeilnaht ist schräg zu tasten (I. Lage: im 1. schrägen Durchmesser, II. Lage: im 2. schrägen Durchmesser)
  • die kleine Fontanelle übernimmt die Führung (Leitstelle)  

Beckenausgang

Der Kopf tritt in den längsovalen Beckenausgang: 

  • Pfeilnaht ist gerade zu tasten
  • die kleine Fontanelle ist vorn

Mit Durchschneiden des Kopfes treten die Schultern quer in den Beckeneingang 


Austritt aus dem Geburtskanal

Beim Austritt des Kopfes aus dem Becken kommt es zu einer Haltungsänderung: der Kopf geht aus der Beugung in eine Deflexionshaltung über. Stemmpunkt (Hypomochlion) ist die Nackenhaargrenze. Nacheinander werden Hinterhaupt, Vorderhaupt, Stirn, Gesicht und Kinn über den Damm geboren.


Äußere Drehung des Kopfes

Nach Geburt des Kopfes dreht sich die Schulterbreite in der Beckenhöhle in den gerade durchmesser des Beckenausgangs. Dadurch erfolgt eine äußere Kopfdrehung um 90°- das Gesicht des Kindes sieht zur Seite

  • I. Lage: zum rechten Oberschenkel der Mutter
  • II. Lage: zum linken Oberschenkel der Mutter

Geburt der Schultern

Zuerst erscheint die vordere Schulter unter der Symphyse, danach tritt die hintere Schulter über den Damm 


Zeitraum nach dem Abnabeln des Neugeborenen bis zur vollständigen Plazentaaustoßung

Die Beurteilung des Lösungszustandes der Plazenta erfolgt anhand der Lösungszeichen:

 

  Methode Gelöst  Nicht gelöst
Küstener  Hand drückt oberhalb Symphyse den Uterus Richtung Nabel Nabelschnur bleibt unverändert liegen Nabelschnur zieht sich mit der Bewegung zurück
Alfeld Nach der Geburt Befestigung eines Bändchens an der Nabelschnur im Vulva Niveau Bändchen rückt weiter vor Bändchen bleibt unverändert
Schröder Veränderung des Uterus bei Lösung der Plazenta Uterus schmal, fest, oberhalb des Nabels Uterus unverändert

Die Lösung der Plazenta erfolgt in der spongiösen Schicht der Dezidua basalis. Die Ablösung beginnt entweder in der Mitte oder am Rand der Plazenta:

Zentrale Plazentalösung nach Schultze: die Lösung beginnt durch ein retroplazentares Hämatom, das sich in der Mitte der Plazenta bildet. Die Plazenta erscheint mit der fetalen Seite zuerst in der Vulva 

Laterale Plazentalösung nach Duncan: die Lösung beginnt am unteren Rand und setzt sich nach oben fort. Es erscheint zuerst der untere Plazentarand in der Vulva. Während des Lösungsvorganges blutet es aus den uterinen Gefäßen der bereits gelösten Bereiche, daher ist der Blutverlust meist höher als bei der zentralen  

                                                                                        Lösung.